Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte des Römerhofes


Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert war der „Römerhof“ ein landwirtschaftliches Gut. Es befand sich lange Zeit vor den Toren der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, lag aber dennoch auf Frankfurter Gebiet. Der Römerhof befand sich westlich der Stadt, ungefähr auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Höchst. Er lag damit außerhalb der von einer Stadtmauer geschützten Kernstadt, aber innerhalb der Landwehr, eines vorgelagerten Verteidigungssystems aus Erdwällen und Zäunen, das Frankfurt vor Angriffen schützen sollte.

Ursprünglich gehörte der Römerhof dem Weißfrauenkloster. Das Weißfrauenkloster, im 13. Jahrhundert von Frankfurter Bürgern gestiftet, lag in der Altstadt von Frankfurt, wurde aber durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges zerstört. Bis zur Reformation beteten und arbeiteten im Weißfrauenkloster die Schwestern vom Orden der heiligen Maria Magdalena zur Buße. Den Ordensschwestern, die eine schlichte weiße Tracht trugen, diente der Römerhof zur Versorgung mit landwirtschaftlichen Gütern wie Getreide, Milch, Eier und Fleisch.

Als Folge der Reformation übernahm im 16. Jahrhundert der Rat der Stadt Frankfurt die Verwaltung des mittlerweile aufgelösten Weißfrauenklosters. Zusammen mit dem ebenfalls übernommenen Katharinenkloster wurden beide Klöster mit ihren gesamten Besitzungen im Jahre 1876 zu dem St. Katharinen- und Weißfrauenstift zusammengeführt, einer bis heute wirkenden öffentlichen Stiftung, die sich um die Unterstützung bedürftiger Frauen kümmert. So kam schließlich auch der Römerhof in den Besitz der Stadt, die ihn weiterverpachtete. Damit war die Stadt nicht nur für den Unterhalt, sondern auch für die Anbindung des Römerhofes an das städtische Verkehrswegenetz verantwortlich.

Die offensichtlich mangelnde Verkehrsanbindung des Römerhofes führte Ende des 19. Jahrhunderts zu Streit zwischen dem Pächter des Hofes und der Stadt. Darüber geben Magistratsakten Auskunft, die im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte lagern. Der Pächter hatte ein besonderes Interesse an einer guten Verkehrsanbindung, denn er war an der „Kehrichtabfuhr“ in Frankfurt und Bockenheim beteiligt, war also, wie man heute sagen würde, für die Müllabfuhr verantwortlich. Seine schweren Fuhrwerke sanken auf den unbefestigten, sandigen Straßen ein. Die Stadt bildete im Jahre 1896 eine Kommission, die den Zustand der Straßen und Wege zum Römerhof untersuchte, und musste einräumen, dass sich diese tatsächlich „in sehr schlechtem Zustande“ befanden. Die Kommission kam zum Schluss, „dass bei den heutigen Ansprüchen die Befestigung des Zufahrtsweges von der Mainzer Landstrasse nach dem Rebstöcker- und Römerhof auf die Dauer nicht wird zu versagen sein“. Allerdings sollten die Pächter „an den Kosten partizipieren.“ So war die Erreichbarkeit des Römerhofes schon vor mehr als 120 Jahren Anlass für erregte Diskussionen...

Im 20. Jahrhundert verlor der Römerhof aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung rasch an Bedeutung. Nach den Hungerjahren des Ersten Weltkrieges betonte die Stadt zwar gegenüber dem Kleingartenverein Kuhwald, der einen Teil der landwirtschaftlichen Flächen des Römerhofes in Schrebergärten umwandeln wollte, dass der „Römerhof mit dem zu ihm gehörigen rund 60 ha haltenden Stiftungsgelände eine wirtschaftliche Einheit (darstelle), die zu zerreissen bei der Bedeutung dieses Hofes für die allgemeine Versorgung der Stadt Frankfurt a. M. nicht verantwortet werden kann.“ Mit dem Ausbau des Flughafens Frankfurt, der sich bis 1936 auf dem benachbarten Rebstockgelände befand, verschwand jedoch der Römerhof nur wenige Jahre später von der Landkarte. Heute erinnert nur noch der Straßenname „Am Römerhof“ an seine Existenz – und unser neu eröffnetes Gymnasium!

Dr. Björn Schaal